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Ärgernis Spreading (telepolis-Artikel)
(zu alt für eine Antwort)
Andreas Quast
2016-04-18 15:46:24 UTC
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Raw Message
<http://www.heise.de/tp/artikel/47/47986/1.html>

*Bagspreading, Dogspreading und Legcrossing*

Was das Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln außer "Manspreading" noch
zur Qual macht

Letzte Woche sorgte die weltgrößte Baumesse Bauma in München wie alle
drei Jahre wieder dafür, dass Zivilisationsamateure aus aller Welt trotz
völliger Überfüllung der U-Bahnen und Bahnhöfe als Linkssteher
Rolltreppen und Zugänge blockieren und durch andere Unsitten für noch
weniger Platz sorgen. Zu diesen Unsitten gehört auch das "Manspreading":
Unter diesem Stichwort dokumentieren[1] Fahrgäste in den USA seit einigen
Jahren Mitfahrer, die sich so breitbeinig hinsetzen, dass sie in
überfüllten Zügen mehr als einen Sitzplatz einnehmen, während andere
stehen müssen.

Trotz der Vorsilbe (die manchmal durch das neutralere "Leg" ersetzt wird)
sind es bei weiten nicht nur Männer, die dafür sorgen, dass kaum ein
regelmäßiger Fahrer öffentliche Verkehrsmittel "liebt" (wie Hillary
Clinton das in einer viel parodierten[2] Vorwahlkampfaussage von sich mit
Bezug auf die New Yorker U-Bahn behauptete), sondern auch Frauen: Sie
sind vor allem beim Bagspreading[3] überproportional vertreten – dem
Abstellen von Taschen und Einkaufstüten auf Sitzplätzen für Fahrgäste.

Eine Abart des Bagspreadings ist das Dogspreading: Das Setzen von Hunden
und anderen Haustieren auf Sitzplätze, die eigentlich für Menschen
bestimmt sind. Das in solche Fällen manchmal zur Rechtfertigung
vorgebrachte Argument, das arme Tier müsse sitzen, weil es Würmer habe,
seinen Anus ständig am Boden reibe und zum Tierarzt gebracht werde,
überzeugt hygienebesorgte Mitfahrer meistens nur bedingt. Auch beim
Dogspreading gibt es den im Netz geposteten Fotos und nach mehr weibliche
als männliche Vertreter.

Gleiches gilt für das Legcrossing[4] - das Übereinanderschlagen der
Beine, das vor allem auf parallel zu Durchgängen angeordneten Sitzen
dafür sorgt, dass andere Fahrgäste mit ihren Hosen und Kleidern
unfreiwillig zu Schuhputzern werden.

Umerziehungs-Plakatkampagnen oder autonome Automobile?

In US-Städten begegnet man diesen Problemen mit Umerziehungs-
Plakatkampagnen[5]. Dafür, dass sie die Situation potenziell bessern
könnten, spricht das Verhalten in manchen öffentlichen Verkehrsmitteln in
Asien, in denen sich die Fahrgäste nicht nur rücksichtsvoller verhalten,
sondern auch den Verkehrsfluss weniger behindern.

Allerdings ist fraglich, ob es ausschließlich Zivilisationsamateure sind,
die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln in den USA und in Europa
problematisch benehmen: In vielen Fällen dürfte ein Anspruchs-,
Herrschafts- oder Revierkampfinstikt hinter den Unverschämtheiten
stecken, die Man-, Bag- und Dogspreader oder Legcrosser an den Tag legen.

Eine bessere Lösung sind deshalb Fahrzeuge, in denen man selbst
entscheiden kann, wie man sich hinsetzt, ob gegessen, Kaffee getrunken
oder geraucht wird, wie viel Gepäck man mitnimmt - und wer mitfahren darf
und wer nicht. Darüber hinaus haben Krankheitskeime im Individualverkehr
deutlich weniger Ausbreitungsmöglichkeiten als im ÖPNV, weil der
Beförderte nicht ständig angeniest oder angehustet wird und schmierige
Stangen anfassen muss, um beim Bremsen und Anfahren nicht umzufallen.
Außerdem entfällt das gerade bei kalter und nasser Witterung besonders
unangenehme Warten an zugigen Haltestellen und Bahnsteigen: Man ist nicht
von Fahrplänen abhängig und kann kommen und gehen, wann man will.

Muss man so ein Individualverkehrsfahrzeug nicht selbst steuern, dann
verbindet es die Vorzüge des Individual- mit denen des öffentlichen
Nahverkehrs: Mit autonomen Automobilen, wie sie derzeit von Google, Audi,
Daimler, Bosch und anderen Firmen entwickelt und getestet werden, muss
man nicht zu einer Haltestelle laufen, sondern wird vor der Haustür
abgeholt. Im Vergleich zu einem Bus, der auf der Strecke immer wieder
anhalten muss, ist man auch deutlich schneller am Ziel - und zwar ohne
ein lästiges Umsteigen, das jedes Mal das Risiko birgt, wegen einer
Verspätung den Anschluss zu verpassen. Wenn die Geräte einmal so
selbständig sind, dass der Fahrer auch rechtlich von der
Aufmerksamkeitspflicht befreit wird, lässt sich in ihnen zudem sehr viel
besser arbeiten als in einem lauten und überfüllten Zug (vgl. Was gegen
"Manspreading" und Grippewellen wirklich hilft[6]).

Anhang
Links
[0]
https://twitter.com/AndSceneIrene/status/715687646555713537
[1]
https://twitter.com/search?q=%23manspread&src=typd
[2]
http://www.dailymail.co.uk/news/article-3532563/I-ll-just-cab-SNL-mocks-
Hillary-Clinton-s-love-New-York-subway-mishap-hilarious-skit.html
[3]
https://twitter.com/hashtag/bagspreading
[4]
https://goingwitheddie.com/2014/09/30/seriously-no-leg-crossing-on-the-
subway/
[5]
http://www.cbsnews.com/news/mta-addresses-manspreading-on-public-
transportation/
[6]
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44159/
Artikel URL: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47986/
Copyright © Telepolis, Heise Zeitschriften Verlag
Klaus von der Heyde
2016-04-18 17:37:02 UTC
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Raw Message
Post by Andreas Quast
<http://www.heise.de/tp/artikel/47/47986/1.html>
[…]
Post by Andreas Quast
In vielen Fällen dürfte ein
Anspruchs-, Herrschafts- oder Revierkampfinstikt hinter den
Unverschämtheiten stecken, die Man-, Bag- und Dogspreader oder
Legcrosser an den Tag legen.
Man sollte nicht böse Absicht vermuten, wo auch Gedankenlosigkeit eine
einfache Erklärungsmöglichkeit ist.

-- Klaus
Marc Haber
2016-04-18 20:12:45 UTC
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Raw Message
Post by Andreas Quast
Eine bessere Lösung sind deshalb Fahrzeuge, in denen man selbst
entscheiden kann, wie man sich hinsetzt, ob gegessen, Kaffee getrunken
oder geraucht wird, wie viel Gepäck man mitnimmt - und wer mitfahren darf
und wer nicht. Darüber hinaus haben Krankheitskeime im Individualverkehr
deutlich weniger Ausbreitungsmöglichkeiten als im ÖPNV, weil der
Beförderte nicht ständig angeniest oder angehustet wird und schmierige
Stangen anfassen muss, um beim Bremsen und Anfahren nicht umzufallen.
Außerdem entfällt das gerade bei kalter und nasser Witterung besonders
unangenehme Warten an zugigen Haltestellen und Bahnsteigen: Man ist nicht
von Fahrplänen abhängig und kann kommen und gehen, wann man will.
Carspreading. Verbraucht pro Fahrgast absolut mit Abstand am meisten
Platz.

Grüße
Marc
--
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2017-02-26 13:47:52 UTC
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Raw Message
Moin,
Post by Marc Haber
Post by Andreas Quast
Eine bessere Lösung sind deshalb Fahrzeuge, in denen man selbst
entscheiden kann, wie man sich hinsetzt, ob gegessen, Kaffee getrunken
oder geraucht wird, wie viel Gepäck man mitnimmt - und wer mitfahren darf
und wer nicht.
Dann...
Post by Marc Haber
Post by Andreas Quast
Darüber hinaus haben Krankheitskeime im Individualverkehr
deutlich weniger Ausbreitungsmöglichkeiten als im ÖPNV, weil der
Beförderte nicht ständig angeniest oder angehustet wird und schmierige
Stangen anfassen muss, um beim Bremsen und Anfahren nicht umzufallen.
Außerdem entfällt das gerade bei kalter und nasser Witterung besonders
unangenehme Warten
... wartet man ja doch wieder, bis man eine Mitfahrmöglichkeit findet, zumal da der ÖPNV ja wegen dieser tollen Individualdingense ausgedünnt wurde.
Post by Marc Haber
Post by Andreas Quast
an zugigen Haltestellen und Bahnsteigen: Man ist nicht
von Fahrplänen abhängig und kann kommen und gehen, wann man will.
Carspreading. Verbraucht pro Fahrgast absolut mit Abstand am meisten
Platz.
Mit geringster Auslastung gerade im Berufsverkehr. Sitzplatzgarantie schön und gut, aber viel bequemer wird es durch den leeren Beifahrersitz und die leere Rückbank auch nicht...

Gruß, ULF

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